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EU Inc.: Europas Kapitalmarkt skalieren, ohne Komplexität zu skalieren
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Mit der Ankündigung von EU Inc., einer einheitlichen europäischen Rechtsform für Gesellschaften mit beschränkter Haftung, setzt die Europäische Kommission einen potenziell wegweisenden Schritt für den europäischen Binnenmarkt. Indem EU Inc. die seit Langem bestehende Zersplitterung im Gesellschaftsrecht und bei der Unternehmensgründung angeht, soll das Innovationspotenzial Europas freigesetzt werden. Unternehmen sollen grenzüberschreitend wachsen können, ohne dass sich die rechtliche Komplexität vervielfacht.
Fragmentierung als strukturelle Wachstumsbremse
Obwohl es einen Binnenmarkt mit rund 450 Millionen Menschen gibt, stoßen europäische Unternehmen bei der Expansion über Ländergrenzen hinweg nach wie vor auf erhebliche rechtliche und administrative Hürden. Wie Ursula von der Leyen beim Weltwirtschaftsforum 2026 betonte, können Kapital und Daten Europa bereits in Sekunden durchqueren – Unternehmen jedoch nicht mit derselben Freiheit. Auf dem Papier mag der Markt offen sein, die Realität ist jedoch weitaus komplexer.
Jeder weitere Mitgliedstaat bringt ein eigenes Gesellschaftsrecht, eigene Registrierungsverfahren, Kapitalanforderungen und Formvorschriften mit sich. In der Praxis bedeutet das, dass Unternehmen bei jedem Schritt ins Ausland oft auf ein neues regulatorisches Umfeld treffen. Diese rechtliche Fragmentierung wirkt wie eine Handbremse für Wachstum und Ertragspotenzial und veranlasst viele europäische Unternehmen, für ihre Skalierung ins außereuropäische Ausland zu blicken. Rechtliche Komplexität tritt so faktisch an die Stelle von Größe: Unternehmen müssen Zeit und Ressourcen in die Bewältigung zersplitterter Regeln investieren, statt Kapital, Talente und Innovation für das Wachstum im Binnenmarkt einzusetzen.
EU Inc.: ein Regelwerk für die gesamte Union
Die vorgeschlagene Lösung heißt EU Inc. – eine einheitliche europäische Gesellschaftsform, die einem einfachen und einheitlichen Regelwerk unterliegt und nahtlos in allen Mitgliedstaaten gilt. Das Ziel ist klar: 27 nationale Logiken durch einen kohärenten europäischen Rahmen zu ersetzen.
Laut Ursula von der Leyen sollen Unternehmer:innen und innovative Unternehmen mit EU Inc. in jedem Mitgliedstaat innerhalb von 48 Stunden vollständig online eine Gesellschaft eintragen lassen können. In der gesamten Union würde dasselbe Kapitalregime gelten, einschließlich eines Mindeststammkapitals von nur einem Euro. Erstmals wären Gesellschaften mit beschränkter Haftung vom ersten Tag an auf europäische Skalierbarkeit ausgelegt. Das wäre eine entscheidende Abkehr von der nationalen Zersplitterung des Gesellschaftsrechts hin zu echter rechtlicher Interoperabilität im Binnenmarkt.
Die Idee einer europäischen Gesellschaftsform ist nicht neu. Für börsennotierte Unternehmen bietet die Societas Europaea (SE) seit Langem eine grenzüberschreitende Rechtsform. EU Inc. überträgt diese europäische Logik nun auf das Rückgrat der europäischen Wirtschaft: die Gesellschaften mit beschränkter Haftung. Damit wird ein bewährtes Konzept in eine Form gebracht, die für Gründer:innen, Scale-ups und Investor:innen relevant ist – also dort, wo Entscheidungen über die Gesellschaftsstruktur unmittelbar den Zugang zu Kapital und die grenzüberschreitende Expansion beeinflussen.
Wie es weitergeht: Gesetzgebungsverfahren und praktische Auswirkungen
Die konkrete Ausgestaltung von EU Inc. wird sich in den kommenden Monaten abzeichnen. Im März 2026 soll die Europäische Kommission ihren Legislativvorschlag vorlegen, der die Details des sogenannten 28. Regimes festlegt. Schon jetzt ist jedoch erkennbar, dass die Kommission veraltete bürokratische Prozesse als digitalisierungs- und reformbedürftig anerkennt. Diese Entwicklung ist keine reine Zukunftsmusik: Bereits heute ist die digitale Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung in mehreren Rechtsordnungen möglich.
Besonders bemerkenswert ist, dass viele der Grundsätze hinter EU Inc. nicht bloß Zielvorstellungen sind, sondern schon heute technisch und organisatorisch umsetzbar. Digitale Unternehmensgründungen, Fern-Beglaubigungen und notarielle Beurkundungen lassen sich in mehreren Rechtsordnungen bereits vollständig online abwickeln. Genau hier deckt sich die Mission von notarity eng mit dem Anspruch der Kommission. Über die Plattform von notarity können Unternehmen ihre Gesellschaftsstrukturen schon heute in ganz Europa gründen, verwalten und skalieren – mit sicheren, rechtskonformen digitalen Prozessen, unabhängig von physischer Anwesenheit oder Landesgrenzen. Indem notarity Unternehmen über eine digitale Plattform mit Partnernotar:innen verbindet, reduziert es Reibungsverluste bei grenzüberschreitenden gesellschaftsrechtlichen Formalitäten und nimmt die operative Realität vorweg, die EU Inc. auf europäischer Ebene etablieren will. In diesem Sinne ist EU Inc. kein konzeptioneller Sprung in die Zukunft, sondern eine regulatorische Anerkennung von Prozessen, die schon heute verändern, wie Unternehmen in Europa arbeiten.


